Wenn Rollenwechsel zum Glücksfall werden
- Annemarie Balsiger
- vor 20 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt Veränderungen im Leben, die wir selbst wählen. Und es gibt jene, die uns überraschend treffen. Beide Varianten habe ich erlebt.
Rückblickend kann ich sagen: In meinem Berufsleben hatte ich viele Rollenwechsel. Manche davon waren freiwillig – aus Neugier, aus dem Wunsch nach Entwicklung oder weil ich spürte, dass etwas Neues auf mich wartete. Andere Veränderungen kamen ungefragt. Türen schlossen sich, Strukturen änderten sich, Sicherheiten gingen verloren.
Damals fühlte sich nicht jeder Wechsel leicht an. Manche Situationen waren sogar schmerzhaft. Denn wenn eine berufliche Rolle wegfällt, verliert man oft mehr als nur eine Aufgabe. Man verliert Gewohnheiten, ein Umfeld, manchmal sogar ein Stück Identität.
Heute, im Pensionierungsalter, sehe ich diese Erfahrungen mit anderen Augen.
Ich empfinde sie als Glücksfall. Denn jeder Rollenwechsel hat mich weitergebracht. Nicht immer sofort sichtbar – aber rückblickend ganz deutlich. Gerade die unerwarteten Veränderungen haben mir neue Perspektiven eröffnet. Oft entstanden daraus Möglichkeiten, die ich sonst nie gesehen hätte.
Ich durfte lernen, dass Entwicklung selten geradlinig verläuft. Karriere bedeutet nicht nur Aufstieg. Manchmal bedeutet sie auch Neuanfang. Umlernen. Loslassen. Neu entdecken.
Mit jedem Wechsel lernte ich neue Menschen kennen, entwickelte neue Fähigkeiten und gewann mehr Vertrauen in mich selbst. Ich erkannte, dass Veränderung nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch Wachstum.
Besonders spannend finde ich heute den Unterschied zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Veränderungen. Wenn wir selbst entscheiden, erleben wir Veränderung oft als Chance. Wenn sie von aussen kommt, zunächst eher als Bedrohung. Doch in der Rückschau kann beides wertvoll sein. Denn oft erkennen wir erst später, welche Türen sich durch eine geschlossene Tür geöffnet haben.
Viele Menschen fürchten berufliche Veränderungen – verständlicherweise. Sie bringen Unsicherheit mit sich. Aber vielleicht liegt genau darin auch ihre Kraft: Sie zwingen uns, neue Wege zu sehen.
Ich hätte ohne diese vielen Rollenwechsel wahrscheinlich nie entdeckt, was alles in mir steckt. Manche Fähigkeiten zeigen sich erst dann, wenn wir unsere vertraute Umgebung verlassen müssen.
Heute wünsche ich besonders Frauen den Mut, Veränderungen nicht nur als Risiko zu betrachten. Nicht jeder Umbruch ist angenehm. Aber viele Entwicklungen, die uns zuerst verunsichern, können später zu wichtigen Wendepunkten werden.
Das Leben verläuft selten nach Plan. Und vielleicht ist genau das seine größte Chance.
Vielleicht liegt die wahre Stärke eines Lebens nicht darin, immer den geraden Weg zu gehen, sondern darin, den Mut zu finden, neue Wege anzunehmen — auch dann, wenn wir sie uns nie ausgesucht hätten.
Heute weiss ich: Kein Rollenwechsel in meinem Leben war umsonst. Jeder hat mich geprägt, erweitert und letztlich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Manche Veränderungen haben mir den Boden unter den Füssen weggezogen — und gleichzeitig den Blick auf neue Horizonte geöffnet.
Darum möchte ich besonders Frauen Mut machen: Habt keine Angst vor beruflichen Veränderungen. Oft beginnt genau dort etwas Neues, das wir uns vorher gar nicht vorstellen konnten. Nicht jede Wendung im Leben ist bequem, aber viele werden rückblickend zu wertvollen Geschenken.
Rückblickend erkenne ich, dass gerade die unerwarteten Umwege die wichtigsten Wege für mich gewesen sind.
Annemarie Balsiger, Coach & Mentorin für Lebensübergänge - mit Fokus auf Achtsamkeit, Resilienz und persönliche Standort(be)stimmung.




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